Jurilo von Lawise.ai:
Eine Kündigung – sei es durch den Arbeitgeber oder den Arbeitnehmer – hat nicht nur emotionale, sondern auch finanzielle Folgen. Viele Arbeitnehmer fragen sich: Wie viel Geld verliere ich aufgrund der Kündigung? Oder: Kann ich finanziell sogar profitieren? Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren ab – wie der Kündigungsfrist, offenen Urlaubstagen, Bonusansprüchen oder Wartezeiten bei der Arbeitslosenversicherung (RAV). In diesem Artikel zeigen wir, welche finanziellen Folgen eine Kündigung haben kann – sowohl positive als auch negative.
1. GEHALT WÄHREND DER KÜNDIGUNGSFRIST (SCHWEIZ)
Während der Kündigungsfrist haben Sie Anspruch auf Ihr volles Gehalt – inklusive aller vertraglich vereinbarten Zulagen (z.B. 13. Monatslohn, Kinderzulagen, Spesenvergütungen). Die Kündigungsfrist gemäß Art. 335c OR beträgt:
1 Monat im 1. Dienstjahr
2 Monate vom 2. bis 9. Dienstjahr
3 Monate ab dem 10. Dienstjahr
(jeweils auf das Monatsende)
→ Je länger die Kündigungsfrist, desto mehr Gehalt erhalten Sie noch.
2. AUSZAHLUNG VON URLAUB UND ÜBERSTUNDEN (SCHWEIZ)
Ungebrauchte Urlaubstage müssen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausbezahlt werden (Art. 329d OR). Dasselbe gilt für unkompensierte Überstunden, sofern ein Anspruch besteht (Art. 321c OR).
→ Dies kann zu einer einmaligen Nachzahlung von Löhnen führen.
3. BONUS, KOMMISSION, GRATIFIKATION
Ob Sie bei Beendigung noch Anspruch auf einen Bonus oder eine Gratifikation haben, hängt von der vertraglichen Regelung ab. Boni mit Gehaltscharakter sind anteilig geschuldet, freiwillige Gratifikationen nicht unbedingt.
→ Möglicher Gewinn oder Verlust je nach Vereinbarung.
4. ARBEITSLOSENENTSCHÄDIGUNG (RAV) (SCHWEIZ)
Nach einer Kündigung haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Arbeitslosentaggelder. Die Höhe ist:
70–80% des versicherten Verdienstes
Maximal 520 Taggelder (abhängig vom Alter und der Beitragsdauer)
→ Achtung: Bei selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit kann eine Sperrfrist anfallen (kein Geld für 1–60 Tage).
5. ABFINDUNG / SOZIALPLAN
In Einzelfällen (z.B. Massenentlassungen oder langjährige Betriebszugehörigkeit) kann eine Abfindung oder eine Zahlung aus einem Sozialplan erfolgen.
→ Möglicher finanzieller Gewinn bei betriebsbedingter Kündigung.
6. SCHADENSERSATZ ODER ENTSCHÄDIGUNG BEI MISSBRÄUCHLICHER KÜNDIGUNG (SCHWEIZ)
Wird eine Kündigung als missbräuchlich betrachtet, kann der Arbeitgeber verpflichtet werden, eine Entschädigung von bis zu sechs Monatsgehältern zu zahlen (Art. 336a OR).
→ Möglicher finanzieller Vorteil im Falle eines erfolgreichen Rechtsverfahrens.
7. VORSORGEWERK (BVG) UND FREIZÜGIGKEITSKONTO
Bei Beendigung werden die angesammelten Vorsorgeguthaben auf ein Freizügigkeitskonto übertragen. Sie gehen nicht verloren, stehen jedoch nicht mehr zur Verfügung, bis sie in eine neue Anstellung eingebracht oder bezogen werden.
→ Kein direkter Verlust, aber eingeschränkter Zugriff.
8. TAGGELDVERSICHERUNG BEI KRANKHEIT (SCHWEIZ)
Erkranken Sie während der Kündigungsfrist, kann das Arbeitsverhältnis unter bestimmten Umständen verlängert werden (Sperrfrist gemäß Art. 336c OR). Zudem kann eine bestehende Taggeldversicherung bei Krankheit eine Lohnersatzleistung bieten.
→ Möglicher Schutz vor Einkommensverlust.
FAZIT
Ob Sie durch eine Kündigung Geld verlieren oder gewinnen, hängt von vielen Faktoren ab: Kündigungsfrist, offene Ansprüche, Verhalten beim RAV, vertragliche Regelungen und mehr. Eine sorgfältige Prüfung der eigenen Rechte und Pflichten ist lohnenswert – insbesondere vor einer eigenen Kündigung oder bei Kündigung durch den Arbeitgeber.
Viele unterschätzen die Kosten einer Kündigung – insbesondere wegen Sperrfristen oder entgangenen Prämien. Viele unterschätzen die Kosten einer Kündigung – insbesondere wegen Sperrfristen oder entgangenen Prämien.
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Jurilo analysiert Ihre Situation anhand des Schweizer Arbeitsrechts – strukturiert & rechtssicher.
👉 Siehe auch: Sperrfrist beim RAV – Gründe & Dauer
👉 Verwandt: Lohnrückforderung durch den Arbeitgeber – Wann ist es erlaubt?
👉 Grundlagen: Kündigung durch Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer – Schweiz
FAQ ZUR KÜNDIGUNG – WIE VIEL GELD VERLIERE ODER GEWINNE ICH?
Erhalte ich während der Kündigungsfrist weiterhin Gehalt?
Ja. Sie haben während der Kündigungsfrist Anspruch auf Ihr volles Gehalt – einschließlich Zulagen und vertraglicher Vorteile.
Was passiert mit meinem Urlaub bei Kündigung?
Ungebrauchte Urlaubstage müssen ausbezahlt werden. Dies kann zu einer zusätzlichen Lohnzahlung führen.
Habe ich trotz Kündigung Anspruch auf einen Bonus?
Wenn der Bonus Gehaltscharakter hat (z.B. Zielbonus), ist er anteilig geschuldet. Freiwillige Boni oder Gratifikationen nur, wenn vertraglich garantiert.
Soll ich eine Sperrfrist beim RAV erwarten?
Nur wenn Sie selbst kündigen oder wenn die Kündigung Ihre eigene Schuld ist. Dann kann das RAV eine Sperrfrist von 1–60 Tagen verhängen.
Erhalte ich eine Abfindung?
Nur in Ausnahmefällen – z.B. bei Sozialplänen, Massenentlassungen oder langjähriger Betriebszugehörigkeit. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch.
Was passiert mit meiner Vorsorge?
Ihre BVG-Guthaben werden auf ein Freizügigkeitskonto übertragen. Sie bleiben erhalten, sind jedoch temporär gesperrt.
Kann ich bei unrechtmäßiger Kündigung Geld verlangen?
Ja. Sie können bis zu sechs Monatsgehälter als Entschädigung verlangen – zusätzlich zu Ihrem regulären Gehalt.
Was ist bei Überstunden bei Kündigung?
Nicht abgegoltene Überstunden müssen ausbezahlt werden, sofern ein Anspruch besteht und sie nicht durch eine Pauschalvereinbarung abgedeckt sind.
Wie viel Arbeitslosengeld erhalte ich?
Abhängig von der Familiensituation, 70–80% des versicherten Verdienstes. Die genaue Summe richtet sich nach dem letzten Gehalt und der Beitragsdauer.
Kann ich finanziell von einer Kündigung profitieren?
Ja – z.B. durch Bonusauszahlung, Urlaubsausgleich, Abfindung oder Entschädigung bei unrechtmäßiger Kündigung. Aber auch Verluste (z.B. Sperrfristen) sind möglich. Eine individuelle Bewertung ist entscheidend.