Ralf, wie sehen Sie derzeit die Entwicklung der KI-Einführung in der juristischen Arbeit bei Schweizer KMU?
Gerade passiert etwas sehr Interessantes.
Die Einführung beschleunigt sich rasant — insbesondere in HR-Abteilungen, bei CFOs, CEOs, Leitern Administration und Treuhändern.
Vor zwei Jahren waren viele Unternehmen noch skeptisch.
Heute erkennen sie plötzlich:
„Moment… warum warten wir bei Routine-Rechtsfragen eigentlich noch tagelang auf Antworten?“
Und genau hier setzt Jurilo an.
Viele Unternehmen sehen zum ersten Mal, wie viel Zeit, Geld und organisatorische Energie in repetitive Rechtsprozesse fliessen, die oft nur einen sehr geringen strategischen Wert schaffen.
Wo sehen Unternehmen den größten Nutzen?
Interessanterweise sprechen viele Kunden zunächst über Kosteneinsparungen.
Und ja — die Einsparungen können erheblich sein.
Doch wenn man länger mit ihnen spricht, kommt immer ein weiteres Thema auf:
Die Zeitersparnis.
Und die ist enorm.
Mittelständische Unternehmen verlieren jedes Jahr viele Monate an Produktivität, nur weil sie auf Rückmeldungen zu teils sehr einfachen Rechtsfragen warten:
Kann Überzeit kompensiert werden?
Wie muss eine Verwarnung formuliert werden?
Was gilt während eines Krankenstands?
Welche Kündigungsfristen gelten?
Welche rechtlichen Risiken bestehen?
Wie sollte eine Kündigung abgewickelt werden?
Das sind oft keine hochkomplexen strategischen Rechtsfälle.
Dennoch sind Prozesse tagelang blockiert.
Warum ist das in der Schweiz besonders relevant?
Die Schweiz ist einzigartig.
Anders als in vielen anderen europäischen Ländern geben selbst KMU hier noch viel Geld für repetitive externe Rechtsdienstleistungen aus.
Die Stundensätze großer Kanzleien sind extrem hoch.
Und bislang konnten sich Unternehmen das noch leisten, weil die Schweizer Wirtschaft insgesamt relativ stark geblieben ist.
Doch die ersten Warnsignale sind klar sichtbar.
The Economist hat die Schweiz jüngst bei den Wachstumserwartungen auf Platz 41 von 42 europäischen Ländern eingestuft.
Das ist wichtig.
Denn es bedeutet, dass Unternehmen zunehmend jeden ineffizienten Prozess hinterfragen werden.
Noch immer wird viel Geld für repetitive Arbeit ausgegeben, die in der KI-Ära ehrlich gesagt nur noch wenig Sinn ergibt — und für Systeme wie Jurilo nahezu perfekt geeignet ist.
Sie sagen oft, Unternehmen wollen für diese Art von Arbeit nicht mehr zahlen. Was meinen Sie damit?
Ehrlich gesagt:
Niemand zahlt gern Premium-Stundensätze für repetitive Standardarbeit.
Weder die Mandanten.
Noch oft die Anwälte selbst.
Viele Kanzleien erledigen diese Arbeit schlicht deshalb, weil sich das Geschäftsmodell historisch so entwickelt hat.
Aber KI verändert die Erwartungen jetzt dramatisch.
Unternehmen fragen plötzlich:
Warum dauert das immer noch Tage?
Warum wird das immer noch nach Stunden abgerechnet?
Warum sind immer noch mehrere E-Mails nötig?
Warum können unsere internen Teams das nicht direkt lösen?
Das ist nicht gegen Anwälte gerichtet.
Es ist schlicht die natürliche Konsequenz davon, dass Technologie Reibungsverluste beseitigt.
Heisst das, Jurilo ersetzt Anwälte?
Nein. Das wäre viel zu vereinfacht.
Jurilo verändert, wofür Anwälte gebraucht werden.
Strategische Verhandlungen, Gerichtsverfahren, hochspezialisierte Materien, komplexe Ermessensentscheidungen, Empathie in stressigen Situationen — all das bleibt extrem wichtig.
Aber die repetitive operative Ebene dazwischen wird zunehmend automatisiert.
Das ist ähnlich wie bei Taschenrechnern.
Buchhalter verschwanden nicht.
Aber niemand wollte weiterhin Premiumhonorare für manuelle Rechenarbeit bezahlen.
Wie nutzen HR-Abteilungen Jurilo in der Praxis?
Sehr pragmatisch.
Wir sehen inzwischen Organisationen mit mehreren Hundert Mitarbeitenden und relativ kleinen HR-Teams — die bei arbeitsrechtlichen Fragen weitgehend von Jurilo unterstützt werden.
Und nur in wirklich kritischen oder hochspezialisierten Fällen wenden sie sich extern an Kanzleien.
Der Geschwindigkeitsunterschied ist enorm.
Viele HR-Verantwortliche sagen uns:
„Wir treffen Entscheidungen jetzt in Minuten statt in Tagen.“
Und das reduziert nicht nur Kosten — sondern auch den organisatorischen Stress.
Warum wird Geschwindigkeit so wichtig?
Weil Unternehmen schneller handeln müssen.
Wenn ein Mitarbeiterproblem auftritt, jemand krankgeschrieben ist oder eine Kündigungssituation entsteht, kann die Geschäftsleitung nicht mehrere Tage auf grundlegende Klarheit warten.
Diese Unsicherheit verursacht enorme operative Reibungsverluste.
Und gerade im HR-Bereich sind rechtliche Fragen oft emotional sensible Situationen.
Schnelle, verlässliche Antworten reduzieren den Stress drastisch.
Sehen Sie auch Widerstand gegen Systeme wie dieses?
Natürlich.
Jeder grosse technologische Wandel erzeugt zunächst Unsicherheit.
Aber es passiert etwas Interessantes:
Viele Anwälte selbst verstehen sehr genau, welche Tätigkeiten automatisiert werden.
Denn ehrlich gesagt verbringen auch viele Anwälte ungern Stunden mit repetitiver Recherchearbeit.
Die wirklich wertvolle juristische Arbeit liegt woanders:
Strategie, Auslegung, Verhandlung, Urteilskraft und menschliche Begleitung.
Warum positionieren Sie Jurilo als „Legal Decision System“?
Denn genau das ist der entscheidende Unterschied.
Viele Systeme liefern lediglich Dokumente oder Suchergebnisse.
Jurilo wurde entwickelt, um Nichtjuristen dabei zu helfen, konkrete operative Rechtsentscheidungen zu treffen:
klar strukturiert, verständlich und verifiziert.
Das ist besonders wichtig für Schweizer KMU, die oft keine eigene Rechtsabteilung haben.
Was glauben Sie, wird in den nächsten fünf Jahren passieren?
Ich glaube, wir stehen erst am Anfang.
In wenigen Jahren wird es völlig normal sein, dass Unternehmen grosse Teile repetitiver Rechtsarbeit intern mit KI abwickeln.
Nicht, weil Unternehmen Menschen ersetzen wollen.
Sondern weil das alte Modell schlicht zu langsam, zu teuer und organisatorisch ineffizient wird.
Unternehmen, die das früh verstehen, werden deutlich schneller, schlanker und wettbewerbsfähiger.
Und ehrlich gesagt:
Viele Organisationen wollen ohnehin gar nicht mehr zum alten Modell zurück.
Sie haben kürzlich über Kanzleien und KI geschrieben. Was war Ihr Hauptpunkt?
Der Kerngedanke war einfach:
KI ersetzt keine Anwälte.
Sie verändert, wofür Mandanten bereit sind, Anwälte zu bezahlen.
Der Wert verschiebt sich weg von repetitiver Recherchearbeit hin zu Strategie, Auslegung, Verhandlung und menschlicher Begleitung.
Der Artikel hat viel Diskussion ausgelöst — vor allem, weil viele Anwälte diesen Wandel bereits selbst spüren.
👉 „KI ersetzt keine Anwälte — sie verändert, wofür Mandanten bezahlen wollen“