Jurilo von Lawise.ai:
Dieser Artikel basiert auf dem Schweizer Arbeitsrecht (OR), der Praxis des RAV und der Rechtsprechung des Bundesgerichts.
Ein Aufhebungsvertrag kann eine elegante Lösung sein, um ein Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden – er birgt jedoch auch rechtliche und finanzielle Risiken. In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Aufhebungsvertrag in der Schweiz bedeutet, welche Konsequenzen er für das RAV hat (insbesondere die Einstelltage) und worauf Sie unbedingt achten sollten.
WAS IST EIN AUFHEBUNGSVERTRAG?
Ein Aufhebungsvertrag ist eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsvertrags zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Beide Parteien verzichten auf die ordentliche Kündigung und vereinbaren gemeinsam das Ende des Arbeitsverhältnisses – einschließlich Austrittsdatum, Gehaltszahlung, Ferien, Arbeitszeugnis und weiteren Angelegenheiten.
Kernbegriff: einvernehmliche Beendigung des Arbeitsvertrags
VORTEILE EINES AUFHEBUNGSVERTRAGS
Ein Aufhebungsvertrag kann für beide Parteien Vorteile bieten:
Flexibleres Austrittsdatum (z. B. vor dem Ende der Kündigungsfrist)
Vermeidung von Konflikten oder Kündigungsschutzverfahren
Möglichkeit, Bedingungen wie Abfindung, Freistellung oder Arbeitszeugnis zu regeln
Für den Arbeitgeber: Rechtsicherheit und Planbarkeit
Risiken für Arbeitnehmer
Trotz der Vorteile birgt ein Aufhebungsvertrag auch erhebliche Risiken – insbesondere im Hinblick auf das RAV:
Das RAV kann den Vertrag als selbstverschuldete Arbeitslosigkeit einstufen
Konsequenz: Einstelltage beim Arbeitslosengeld (bis zu 60 Tage)
Kein Kündigungsschutz im Krankheitsfall, bei Schwangerschaft oder Unfall
Verzicht auf Kündigungsfristen und gesetzliche Ansprüche, wenn nicht ordnungsgemäß geregelt
Einstelltage beim RAV: Wann treten sie ein?
Die Arbeitslosenversicherung (ALV) prüft bei einem Aufhebungsvertrag, ob die Arbeitslosigkeit freiwillig oder selbstverschuldet ist. Wird dies bejaht, können Einstelltage verhängt werden.
Typische Fälle mit Einstelltagen:
Der Arbeitnehmer hat den Aufhebungsvertrag selbst vorgeschlagen
Es gab keinen sachlichen Grund für die Vertragsbeendigung
Der Arbeitnehmer hat keine neue Stelle in Aussicht
Keine Einstelltage, wenn:
Der Arbeitgeber den Aufhebungsvertrag initiiert hat
Eine Kündigung wäre ohnehin erfolgt (z. B. aus betrieblichen Gründen)
Der Arbeitnehmer nachweislich unter Druck stand oder gesundheitliche Gründe vorlagen
WIE KÖNNEN SIE EINSTELLTAGE VERMEIDEN?
Schlagen Sie den Aufhebungsvertrag nicht selbst vor
Geben Sie im Vertrag an, dass die Initiative vom Arbeitgeber kam
Dokumentieren Sie den Grund (z. B. betriebliche Umstrukturierung)
Legen Sie Nachweise über Bewerbungsbemühungen und neue Stellen vor
Schließen Sie den Vertrag schriftlich mit klaren Bestimmungen zu Gehalt, Urlaub, Arbeitszeugnis etc. ab
WAS MUSS IM AUFHEBUNGSVERTRAG GEREGELT WERDEN?
Ein vollständiger Aufhebungsvertrag sollte folgende Punkte enthalten:
Letzter Arbeitstag
Vergütung von Urlaub und Überstunden
Gehaltszahlung bis zur Abreise
Freistellung (falls erwünscht)
Arbeitszeugnis
Abfindung (optional)
Hinweis auf RAV-Konsequenzen (empfohlen)
FAZIT
Ein Aufhebungsvertrag in der Schweiz kann eine faire Lösung sein – aber nur, wenn er gut durchdacht und korrekt formuliert ist. Besondere Vorsicht ist im Hinblick auf das RAV und mögliche Einstelltage geboten. Wer unsicher ist, sollte den Vertrag vor Unterzeichnung rechtlich überprüfen lassen.
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Jurilo prüft Aufhebungsverträge nach schweizerischem Arbeitsrecht – einschließlich RAV-Risiken, Einstelltage und finanzieller Konsequenzen.
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10 HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN ZU AUFHEBUNGSVERTRÄGEN IN DER SCHWEIZ (FAQS)
Was ist ein Aufhebungsvertrag?
Ein schriftlicher Vertrag, mit dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis gemeinsam beenden.
Ist ein Aufhebungsvertrag in der Schweiz erlaubt?
Ja, er ist rechtlich zulässig – aber nur gültig, wenn beide Parteien freiwillig zustimmen.
Kann ich wegen eines Aufhebungsvertrags Einstelltage beim RAV bekommen?
Ja, wenn das RAV die Arbeitslosigkeit als selbstverschuldet einstuft, können Einstelltage verhängt werden.
Wie lange dauert eine Einstiegssperre beim RAV?
Je nach Fall zwischen 5 und 60 Tagen ohne Taggeld.
Wie kann ich eine Einstelltage vermeiden?
Indem Sie nachweisen, dass der Arbeitgeber den Vertrag vorgeschlagen hat oder dass es ohnehin zu einer Kündigung gekommen wäre.
Muss ein Aufhebungsvertrag schriftlich vorliegen?
Ja, die Schriftform wird dringend aus Beweisgründen empfohlen.
Was passiert mit meinem Urlaub und Überstunden?
Diese müssen im Vertrag geregelt und in der Regel ausbezahlt oder genommen werden.
Habe ich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Ja, auch bei einem Aufhebungsvertrag haben Sie Anspruch auf ein wohlwollendes und wahrheitsgemäßes Zeugnis.
Kann ich den Aufhebungsvertrag widerrufen?
Nur in Ausnahmefällen, z. B. bei Irrtum, Täuschung oder Drohung – ansonsten ist er verbindlich.
Sollte ich den Vertrag überprüfen lassen?
Ja, auf jeden Fall – insbesondere wegen möglicher finanzieller Nachteile und RAV-Konsequenzen.
Quellen:
Art. 337 OR – Beendigung des Arbeitsverhältnisses
Merkblätter der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV)
Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Einstelltagen bei Aufhebungsverträgen